Das Fredersdorfer Mühlenfließ

Das Fredersdorfer Mühlenfließ - kurz: Mühlenfließ - gilt als eines der letzten noch weitgehend intakten Fließgewässer im Berliner Raum. Es handelt es sich um eine eiszeitliche Schmelzwasserrinne, die die Barnim-Hochfläche in das Berliner Urstromtal entwässert. Der Untergrund besteht aus Sand und Geschiebemergel der Grundmoräne, die Böden in den Niederungen sind vorwiegend moorig bis lehmig-sandig.
Das Fließ umfasst Landschaftsbereiche mit besonders hohen Anteilen wertvoller Lebensräume gefährdeter Tier- und Pflanzenarten, vor allem Amphibien und Reptilien sowie vom Aussterben bedrohte Fischarten. Für das Lokalklima hat es eine wichtige Funktion als Frischluftschneise, auf Grund der Nähe zu Berlin auch einen hohen Erholungswert. Durch die Wassergewinnung in seinem Einzugsgebiet sowie die Klimaveränderung kam es in den letzten Jahren zu Wassermangel im Fließ.
Die Gründungen der zum Fließ benachbarten Dörfer liegen zwischen dem 13. und 14. Jh. Um diese Zeit entstanden mehrere Mühlen, die dem Fließ seinen Namen gaben. Wegen des moorigen Charakters war das Gebiet bis 1900 nur relativ dünn besiedelt. Mit der Schienenanbindung an Berlin 1897 erhöhten sich die Einwohnerzahlen sprungartig. Durch die Besiedelung ist der lokale Artenbestand mittlerweile gefährdet

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Naturschutzgebiet Fredersdorfer Mühlenfließ, Langes/Breites Luch

 

 

Lage und Schutzstatus

Das Mühlenfließ entspringt nordwestlich von Strausberg auf der Barnim-Hochfläche und mündet bei Berlin-Rahnsdorf in den Großen Müggelsee. Die Gesamtlänge beträgt 32,6 Kilometer.
Der Bereich nördlich von Bruchmühle bis südlich von Fredersdorf und Petershagen ist seit 2004 als Naturschutzgebiet geschützt. Wesentliche Teile gehören zum 800,04 ha großen Flora-Fauna-Habitat-Gebiet „Fredersdorfer Mühlenfließ, Breites und Krummes Luch“ und damit zum europäischen Schutzgebietssystem Natura 2000.

 

 

Mühlenfließ bei Eggersdorf
Mühlenfließ bei Eggersdorf

 

 

NABU-Flächenbesitz und Naturschutzziele

2009 übernahm die NABU-Stiftung die ersten 12,9 Hektar des Naturschutzgebietes aus bundeseigenem Besitz, zu denen bis Ende 2012 weitere 12,2 Hektar hinzukamen, hierunter auch Landwirtschaftsflächen außerhalb des Schutzgebietes. Rund ein Drittel der stiftungseigenen Fläche besteht aus Teilen des ehemaligen Schlossparks in Fredersdorf-Vogelsdorf. Er wird vom Mühlenfließ durchflossen. Ein Seitenarm des Fließes bewässert den Mühlenteich, der ebenfalls zum NABU-Besitz gehört. Bei der Betreuung des Schlossparkgeländes arbeitet die NABU-Stiftung mit einem Schutzgebietsbetreuer zusammen, der sich bereits seit Jahren ehrenamtlich um den früheren Schlosspark kümmert.
Der ehemalige Schlosspark besitzt heute einen waldähnlichen Charakter, der durch einen wertvollen Altbaumbestand beeindruckt. Bis auf zwingend notwendige Eingriffe zum Erhalt der Verkehrssicherheit entlang der Wege darf sich das Gelände weiter naturnah entwickeln.

 

Morgenstimmung am Mühlenfließ
Morgenstimmung am Mühlenfließ bei Petershagen

 

 

Die Landwirtschaftsflächen in Stiftungseigentum sind unter naturschutzfachlichen Auflagen verpachtet, um die Wiesen entlang des Mühlenfließes durch eine naturschonende Bewirtschaftung zu erhalten.

Mit den bundeseigenen Flächen wurde der NABU-Stiftung auch der Standort einer ehemaligen Polstermöbelfabrik übertragen, der weit in das Fließ hineinreichte. Durch den Abriss des Stahlaufbaus samt Bodenplatte sowie der Entfernung des umliegenden Abfalls in den Jahren 2012-2014 konnte die NABU-Stiftung das Schutzgebiet an dieser Stelle deutlich aufwerten.

 

 

 

 

 

Geflecktes Knabenkraut
Geflecktes Knabenkraut

 

 

Bedeutende Tier- und Pflanzenarten

Säugetiere: Fischotter

Amphibien: Rotbauchunke, Kammmolch

Fische: Schlammpeitzger

Pflanzen: Gemeiner Augentrost, Haarblättriger Hahnenfuß, Geflecktes und Breitblättriges Knabenkraut, Kleinblättrige Brunnenkresse, Gemeine Natternzunge, Draht-Segge, Pracht-Nelke

 

 

 

 

Text mit freundlicher Genehmigung der NABU-Stiftung Nationales Naturerbe www.naturerbe.de